Autunno in Barbagia – Impressionen von den Herbstfesten im Landesinneren

Die cortes apertes, wie der Autunno in Barbagia auch genannt wird, ist mittlerweile zu eine große Erfolgsgeschichte geworden und zieht jedes Jahr zigtausende von Menschen in die Dörfer der Barbagia.

Im Herbst wird die Barbagia, das Bergland im Landesinneren Sardiniens, zum Touristenmagnet. Denn dann strömen viele Tausend Menschen in die fast 30 Dörfer und Städtchen, die mittlerweile unter dem Dach „Autunno in Barbagia“ ihre kulinarischen, handwerklichen und kulturellen Traditionen zur Schau stellen. Von Anfang September bis weit in den Dezember hinein werden an jedem Wochenende in ein oder zwei Dörfern die „cortes“, die Höfe geöffnet, Stände und Bühnen aufgebaut, Ausstellungen eröffnet und sonstige Attraktionen organisiert.

Viele kulinarischen Angebote – Nüsse, Käse, Schinken und vieles mehr

In diesem Jahr habe ich – sowohl alleine als auch in Begleitung sardischer Freunde – drei dieser Herbstfeste besucht: Tonara, Meana Sardo und Sorgono. Mich haben vor allem die kulinarischen Angebote interessiert, die tatsächlich eine große Rolle spielen. Denn in der quirligen Volksfest-Atmosphäre werden überall kulinarische Produkte zum Kauf angeboten und an vielen Stellen kann man für das jeweilige Dorf bzw. diese Gegend typischen Gerichte probieren. Außerdem gibt es natürlich Wein aus der Gegend und zunehmend auch handwerklich gebrautes Bier. Und eine Kombination aus all dem kann man sich beim Mittag- oder Abendessen in einem der echten oder der nur für das Fest improvisierten Restaurants schmecken lassen.

Natürlich kann man alle bei diesen Festen angebotenen Produkte auch käuflich erwerben. Wir sind unter anderem mit den im Herbst in der Barbagia reichlich vorhandenen Nüssen, Kastanien und Steinpilzen nach Hause zurück gekehrt. Und es gab natürlich noch viel mehr: In Tonara war das natürlich vor allem Torrone, schließlich ist Tonara für die Produktion dieses sardischen Nougats berühmt. In Meana Sardo haben wir bei einem kleinen Produzenten einen phantastischen Ziegenkäse gefunden und mit nach Hause genommen, aus Sorgono hausgemachte Fregola und natürlich Wein, schließlich stand dort das große Zelt des „Salone dei Vini Sardi 2016“ mit Degustationständen der Gewinnerweingüter des Wettbewerbs „Wine and Sardinia„.

Mittagessen auf den Festen – drei ganz unterschiedliche Erfahrungen

Die Erfahrungen beim Mittagessen während der Feste waren sehr unterschiedlich. In Meana Sardo wollen wir unbedingt das dortige Su Succu (sehr dünne, spaghettiartige Pasta und Käse, gegart in einer kräftigen Brühe) probieren, das uns Einheimische wärmstens empfohlen hatten. Nach einigem Suchen fanden wir einen Stand (die Garage eines Privathauses), wo Su Succu angeboten wurde und wo nur wenige Menschen für dieses Gericht anstanden. Unsere sardischen Begleiter hatten Su Succu noch nie gegessen, wir selbst kannten die Variante aus Busachi, die mit viel Safran zubereitet wird und die uns in guter Erinnerung geblieben war. Leider entsprach die in Meana Sardo angebotene Version dieses Gerichts so gar nicht unseren Erwartungen, was vielleicht auch daran lag, dass an dem von uns gewählten Stand nicht unbedingt die Meisterköche für Su Succu am Werk waren.

In Sorgono aßen wir in einem der vielen improvisierten Restaurants. Unseres war im Innenhof eines kleinen Mühlenmuseums eingerichtet, wo lange Tische aufgestellt waren. Es gab ein festes Menü für 20 Euro, das einen Vorspeisen-Teller mit Wurst, Schinken, Käse und ein paar Oliven umfasste sowie als ersten Gang Ravioli mit Käse-Füllung und als Hauptgericht in Rotwein geschmortes Schafsfleisch. Wein (rot und weiß), Wasser und zum Abschluss ein Kaffee und ein Digestif gehörten auch dazu. Das Essen war nicht schlecht, auch wenn Pappteller und -becher und Plastikbesteck den Genuss nicht gerade förderten. Aber die Begegnung mit anderen Festbesuchern, in unserem Fall einem Ehepaar von der Ostküste, das mit einem großen Sonderbus nach Sorgono angereist war, entschädigte für das kulinarisch eher mittelmäßige Mittagessen und machte es doch noch zu einer schönen Erfahrung.

Wie anders war doch Tonara! Hier brachte das Mittagessen ein kulinarisches Erlebnis, das einem nicht oft geboten wird. Ein Pranzo, bei dem es reichlich Steinpilze gab, gedünstet mit Knoblauch und Petersilie, frittiert sowie (die besonders schönen Exemplare) fein aufgeschnitten und roh mit etwas gutem Olivenöl beträufelt. Auch viele andere Spezialitäten, wovon hier nur der hausgemachte Schinken und besonders leckere, tonaresische Ravioli genannt werden sollen, trugen zum kulinarischen Erlebnis der Sonderklasse bei, dessen Höhepunkt das „Nationalgericht der Sarden“, Su Porceddu arrostu, gegrilltes Milchschweinchen war. Ehrlicherweise aus hier erwähnt werden, dass dieses Mittagessen nicht in einem Restaurant sondern bei einem guten Freund in Tonara stattfand, und deshalb eigentlich nicht vergleichbar mit den anderen, oben beschriebenen, ist.

Impressionen I (Essen und Trinken)

Essen und trinken sowie traditionelle Produkte der Gegend prägen das Bild der Herbstfeste im Rahmen von Autunno in Barbagia. Hier einig Impressionen aus dem Jahr 2016 in Tonara, Meana Sardo und Sorgono.

Impressionen II (Brotbacken nach alter Tradition)

Einen besonders interessanten Blicke in die kulinarische Welt Sardiniens erlaubte Brotbacken nach alter Tradition, welches Besucher sich in der Altstadt von Tonara ansehen konnten.

Impressionen III (Trachten, Kunsthandwerk und mehr)

Nicht nur Kulinarisches wird bei den Herbstfesten geboten. Es geht um einen Einblick in die vielen anderen Besonderheiten und Traditionen, die das Leben in den früher sehr abgeschiedenen Dörfern und Städten der Barbagia prägten.

Lohnt sich ein Besuch dieser Herbstfeste?

Das ist eigentlich eine rhetorische Frage. Natürlich lohnt es sich. Wer in Ruhe die Spezialitäten der Gegend genießen möchte, sollte vielleicht aber auch außerhalb des Festtrubels in die Orte reisen und dann eines der traditionellen Restaurants besuchen.

Text und Bilder: c) Hans-Peter Bröckerhoff

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