Ristorante SOMU in San Vero Milis – kreative Küche auf der Basis heimischer Produkte

Ein junger sardischer Koch verwirklicht seinen Traum von einem Restaurant, in dem man sich "wie zuhause" fühlt.

Das Restaurant SOMU ist Teilnehmer der Aktion „Le Isole del Gusto“ (Die Inseln des Genusses). Unter diesem gemeinsamen Dach präsentieren sich seit einigen Jahren jeweils im Frühjahr Restaurants und Agriturismi aus der Provinz Oristano mit ausgewählten Menüs zum Festpreis. Das Restaurant ist einer der Newcomer unter den 27 teilnehmenden Restaurants. Es hat erst vor gut drei Monaten, Anfang Dezember 2016, eröffnet – mutiger Weise in einem kleinen Dorf im Umland von Oristano, in San Vero Milis.

Küchenchef Salvatore Camedda, wie er sich von Antonio Saba (SED-communicazione) beim Fotoshooting für die Restaurantpräsentation hat fotografieren lassen.

Chef des Hauses und zugleich Küchenchef ist der junge Salvatore Camedda, der nach seinen Lehr- und Wanderjahren hier, wie er auf der Facebook-Seite des Restaurants schreibt, seine lange gereifte Idee von einem eigenen Restaurant verwirklichen will. Schon der Name ist Programm. SOMU leitet sich von dem sardischen s’omu (das Haus) ab, das auch mit „das Zuhause“ übersetzt werden kann. Camedda will, schreibt er in der Präsentation des Restaurants weiter, dass sich die Gäste hier in einer familiären Atmosphäre wie zuhause fühlen. Das Lokal ist denn auch eher klein und „heimelig“, es besteht aus drei Räumen mit insgesamt weniger als 30 Plätzen.

Uns empfängt der Maitre Riccardo Centamore, der schon in anderen Restaurants mit seinem jetzigen Chef zusammengearbeitet hat. Er spricht auch Deutsch und erklärt die Gänge, die er uns serviert, so gut, dass wir unseren deutschen Freunden, mit denen wir hierher gekommen sind, gar keine Übersetzung mehr liefern müssen. Als Aperitif schenkt er uns einen Frizzante (Perlwein) aus der Vermentino-Traube ein, nicht den im Menü angekündigten „Z“ von der kleinen, dem Önologen Piero Cella gehörenden Cantina Quatromoro, sondern einen von der Cantina Su’entu. Allerdings ist auch dieser unter der fachkundigen Anleitung von Piero Cella entstanden. Denn der arbeitet als freiberuflicher Önologe bei mehreren Kellereien, vor allem bei Contini in Cabras, aber eben auch bei Su’entu in Sardara.

Ein in der Menüaufstellung  nicht vermerkter „Gruß aus der Küche“ leitet eine Folge von –  das darf schon verraten werden – hervorragenden Gängen ein, die von leckeren hausgemachten Brotsorten (Grissini, Knusperbrot, Pane integrale) begleitet werden. Der „Gruß aus der Küche“ besteht aus kalten Spaghetti mit einer Zitronen-Mandelsoße. Köstlich. Das Antipasto, Kaninchenfleisch auf zweierlei Art frittiert, einmal pur und einmal in Form eines panierten Fleischbällchens, überzeugte ebenfalls voll und ganz. Beim Primo piatto (mit frischer Ricotta gefüllte Tortelli mit Pilzen auf einem Spinatpüree) kommt Erinnerung an die traditionelle Küche der Region auf. Ravioli mit Ricottafüllung werden hier sehr gerne gegessen und von einigen Pasta-Manufakturen auch in sehr guter Qualität zum Kauf angeboten. Aber natürlich hat Salavatore Camedda hier seine eigene Interpretation verwirklicht. Mehr als überzeugend!

Der das Essen begleitende Wein ist der Inu, ein Cannonau Riserva aus der Kellerei Contini. Er gehört zu den mehrfach ausgezeichneten Spitzen-Cannonau der Insel und passt sehr gut zum Menü, insbesondere zum Hauptgang, dem Secondo piatto. Denn dieser besteht aus vier Stücken gekochtem Rindfleisch (Schulter, Hals, Brust und Zunge). Dass das Fleisch hier in San Vero Milis, am Fuße des Montiferru, von der Rinderrasse Sarda modicana (Bue rosse) stammt, ist selbstverständlich. Schließlich ist diese Rasse nur hier heimisch und gehört zudem noch zu den „Presidi“ genannten und von Slowfood besonders herausgehobenen Produkten Sardiniens.

Der Koch hat es geschafft, die unterschiedlichen Fleischsorten des Rinds zwar alle zu kochen, sie aber jeweils auf unterschiedliche Weise zuzubereiten und dem gekochten Fleisch teilweise sogar noch delikate Röstaromen hinzuzufügen. Sowohl die grüne Soße (es handelt sich hier nicht um die Frankfurter Grüne Soße) als auch das süßsauer gegarte Gemüse unterstreichen und ergänzen den Geschmack des Fleisches. Vom ausgesprochen leckeren Gemüse hätten wir uns ein bisschen mehr als die auf dem Teller angerichtete winzige Menge gewünscht, es schmeckte einfach zu gut. Das war aber auch der einzige Wermutstropfen bei diesem ansonsten in jeder Hinsicht hervorragenden Menü.

Zum Abschluss gibt es ein Tiramisu, zubereitet mit Vernaccia di Oristano. Hier interpretiert der Koch einen Klassiker der italienischen Küche, macht ihn leichter und fluffiger, indem er die Eier weglässt und mit dem Vernaccia (San Vero Milis ist ein Zentrum der Vernaccia-Produktion) eine heimische Note hinein bringt.

Das Menü in Bildern

 

Wir sind mehr als zufrieden und freuen uns, einen solchen kulinarischen Genuss erlebt zu haben – und das eher per Zufall, ohne zu wissen, was uns erwartet. Als ich mir später bei Tripadvisor die Kritiken für SOMU anschaue, sehe ich, dass wir mit unserer Begeisterung nicht alleine sind. In den ersten drei Monaten seit seiner Gründung hat das Restaurant 16 Bewertungen bekommen, alle enthusiastisch und alle mit der Höchstnote „eccellente“. Da kann man Salvatore Camedda und seinem Team nur wünschen, dass er nach einem so gelungenen Start auch weiterhin das hohe kulinarische Niveau hält. Und außerdem ist ihm zu wünschen, dass er genügend Gäste anzieht, um sich mit seinen im – Vergleich zur Leistung – eher moderaten Preisen auch wirtschaftlich zu etablieren.

 

Text: Hans-Peter Bröckerhoff

Bilder: Bröckerhoff (drei Fotos), SUMO Ristorante (drei Fotos), Camera di Commercio di Oristano

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