„Sardegna Wine Cluster“ – gemeinsam für den Erfolg des sardischen Weins

Die neue, unabhängige Expertenvereinigung will die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit der Weine Sardiniens weiter verbessern.

Der sardische Wein hat in den letzen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Vor allem die Qualität konnte deutlich gesteigert werden. Heute ist nicht nur das Qualitätsniveau insgesamt deutlich höher, es gibt auch zahlreiche Weine aus Sardinien, die es mit der internationalen Weinelite durchaus aufnehmen können. Dennoch kann auch in Sachen Qualität noch einiges verbessert werden. Denn: Das Bessere ist des Guten Feind.

Viel verbessert werden kann auch und vor allem in Sachen Bekanntheit, Image und wirtschaftlicher Erfolg.

Es fehlt bisher an einem gemeinsamen Auftritt als „sardischer Wein“ – sei es auf dem italienischen Festland („in continente“), sei es international. Es fehlt auch ein strategisches Vermarktungskonzept, mit dem die vergleichsweise kleine Weinregion Sardinien sich bei Weintrinkern in Italien, in Europa und in der ganzen Welt bekannt und einen Namen macht.

Der Präsident und Mitinitiator des neuen „Sardegna Wine Cluster“ Piero Cella erklärt die Motive für die Gründung der neuen Organisation.

Vor diesem Hintergrund haben Experten aus der sardischen Weinwelt (Önologen, Winzer, Sommeliers und Marketingexperten) gemeinsam mit Vertretern aus den Bereichen Restaurants und Hotels die Vereinigung „Sardegna Wine Cluster“ gegründet. Bisher sind es gut 30 Vertreter verschiedener Unternehmen und Organisationen, die im engeren oder weiteren Sinne mit sardischem Wein zu tun haben.

Diese neue Organisation ist bewusst unabhängig von staatlichen und sonstigen öffentlichen Institutionen. Dadurch wollen die Mitglieder eine offene, Probleme nicht beschönigende Diskussion und einen echten, von politischer Rücksichtnahme freien Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Die erste Veranstaltung hielt der „Sardegna Wine Cluster“ im Rahmen der Rassegna Vini novelli di Sardegna in Milis ab. Dort treffen sich jedes Jahr tausende Liebhaber des sardischen Weins.

Genau diese Unabhängigkeit und auch die Notwendigkeit, stärker als bisher gemeinsam und konstruktiv an die Förderung des sardischen Weins heranzugehen, betonte der Mitinitiator und Präsident der neuen Organisation, der Önologe und Winzer Piero Cella, auf der ersten öffentlichen Veranstaltung des Sardegna Wine Clusters. Die gut besuchte Podiumsdiskussion fand im Rahmen der traditionellen „Rassegna vini novelli di Sardegna“ (Vorstellung neuer Weine Sardiniens) im November dieses Jahres in Milis statt. Sie hatte den Titel “Vino e competitività: vincere le sfide del futuro e creare valore aggiunto territoriale”(Wein und Wettbewerbsfähigkeit: die Herausforderungen der Zukunft bestehen und regionalen Mehrwert erzeugen).

Der aus Sardinien stammende und in Frankreich lebende Weinmarketing-Experte Antonio Spiga erläutert in seinem Vortrag die Ziele und Aufgaben des „Sardegna Wine Cluster“.

Die Aufgaben der neuen Organisation umriss der Weinmarketing-Experte Antonio Spiga in einem hochinteressanten Einleitungsreferat. Spiga ist Sarde, lebt aber schon seit langem in Frankreich, in Bordeaux, wo er viele Jahre als verantwortlicher Manager des dortigen Weinkonsortiums arbeitete und heute als Berater für Weinproduzenten und –vermarkter tätig ist.

Dem Referat folgten noch zahlreiche Redebeiträge unterschiedlicher Protagonisten der neuen Organisation. Stellvertretend sei der Betrag des Winzers Alessandro Dettori erwähnt, der auf die Vielfalt der sardischen Weinwelt aufmerksam machte, die einerseits einen großen Reichtum darstelle. Schließlich gebe es in Sardinien ca. 30 unterschiedliche Terroir, mehr als in den meisten anderen Weinbaugebieten Italiens und auch Europas. Das sei andererseits aber auch, so Dettori, eine große Schwäche. Denn die sardischen Weinproduzenten seien oft so stark in ihrer kleinen Unterregion, eben ihrem Terroir, verhaftet, dass sie den notwendigen gemeinsamen Auftritt und die Schaffung eines national und international sichtbaren Bildes der gesamten Weinregion Sardinien nicht hinbekämen.

Diese und auch die anderen Redebeiträge sowie die folgende Diskussion mit dem Publikum machten deutlich, dass tatsächlich noch viel zu tun ist. Deshalb ist es auch sehr verständlich, dass das Sardegna Wine Cluster nicht so sehr auf kurzfristige Aktionen ausgerichtet ist, sondern auf eine langfristige, breit angelegte Arbeit an den Problemen und Aufgaben – sozusagen auf das Bohren dicker Bretter. Dass auf der Veranstaltung die anzugehenden Probleme und Aufgaben offen, kritisch und teils auch selbstkritisch benannt worden sind, spricht für die neue Organisation. Denn nur auf dieser Grundlage kann die Arbeit wirklich erfolgreich sein.

 

Text und Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff

Grafiken: lestradedelvino.com, Veranstalter

2 Kommentare

  1. Hallo HP,
    das ist allerdings spannend. Vor allem ist es erstaunlich, dass Dettori mitmacht. Gibt es eventuell auch ein Progamm/Manifest? Und eine Liste, wer sonst noch dabei ist?
    Liebe Grüße,
    Andreas

    • Hallo Andreas,
      leider hat der neue Wine Cluster noch keine weiteren Infos veröffentlicht. Die Website ist noch im Aufbau. Hier ein Zeitungsbericht über die Veranstaltung mit ein paar mehr Namen.
      Ich bleib dran und werde, wenn ich mehr Weiß die Infos hier nachreichen.
      Liebe Grüße HP

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