Trattoria „Is Cubas“ am Fuße des Gennargentu – Beispiel dafür, dass die Sarden durchaus sehr viel von gutem Tourismus verstehen

Dieses Bild hängt im Gastraum. Es spiegelt ein wenig die Philosophie der Wirtsfamilie der Bar und Trattoria Is Cubas wider.

Der folgende Artikel vom sardischen Journalisten Francesco Giorgioni beschäftigt sich damit, dass Sardinien sehr wohl auch verblüffend guten Service für Touristen bietet  – trotz aller Klagen der Sarden selbst, die oft meinen, auf dem Kontinent oder im Ausland sei in Sachen touristischer Services alles besser. Der Autor ist Chefredakteur der Website „sardegna blogger“. Er geht das Thema am Beispiel eines Besuchs in der Trattoria „Is Cubas“ an. Allein schon die Beschreibung dieses Besuchs macht Lust, im Is Cubas selbst einmal essen zu gehen – vielleicht nach einer Wanderung zum Bruncu Spina, dem zweithöchsten Berg Sardiniens oder gar zur Punta Lamarmora, der höchsten Bergspitze der Insel. Hier Francesco Giorgiones Beitrag, der zuvor auf Italienisch bei „sardegna blogger“ erschienen ist.

 

Zu dieser Jahreszeit hört man immer wieder besonders schlechte Bewertungen über die touristischen Leistungen Sardiniens: ungeeignete Hotels, Strände ohne Rettungsschwimmer, teure Restaurants mit Öffnungszeiten, die zwar bequem für das Personal, aber unbequem für die Gäste sind.

Nicht fehlen darf die Einschätzung, dass wir Sarden vom Tourismus nichts verstehen, dass wir noch so viel zu lernen haben und all die anderen üblichen und wohl bekannten Sprüche dieser Art.

Die Wirtsfamilie der Bar/Trattoria Is Cubas in Desulo

Gestern, am Sonntag, den 6. August, habe ich um drei Uhr nachmittags mit einigen Freunden das kleine, auf dem Gebiet der Gemeinde Desulo an der Straße nach Fonni gelegene Restaurant „Is Cubas“ betreten.

Um drei Uhr nachmittags: Zu dieser Zeit ist es mir in Restaurants in Rom, Mailand und anderen großen Städten schon öfter passiert, dass ich zurückgewiesen wurde, weil die Küche – zu recht, um Himmels willen – schon geschlossen war.

Das Restaurant Is Cubas liegt am Fuße des Gennargentu, wenige Kilometer vom Pass Tascusì entfernt. Deshalb war, als wir ankamen, die Trattoria übervoll mit Wanderern, die vom Punta Lamarmora und von den umliegenden Bergwanderwegen herunter gekommen waren.

Ich war überzeugt, dass man uns wegschicken und bitten würde, ein anderes Mal, zu einer zivileren Zeit zurückzukommen. Doch der Wirt hat für uns einen Tisch gefunden, uns eingeladen, uns zu setzen, und uns, mit einem Augenzwinkern, verkündet, dass wir uns nicht mit leerem Magen wieder von unseren Stühlen erheben würden.

Dann ist auf uns ein wahrer Sturm von sagenhaften Vorspeisen eingeprasselt, darunter Schinken und Ricotta, die einen zum Weinen bringen konnten. Während wir uns noch die Lippen leckten, materialisierte sich auf unserem Tisch eine wunderbarer, großer Casu martzu, der von Tisch zu Tisch ging, damit alle davon probieren konnten.

Screenshot vom Aufmacherbild des übersetzten Artikels von „sardegna blogger“

Auf dem Foto über diesem Artikel (siehe Bild rechts, hpb) könnt ihr Andrew und seinen Sohn sehen, Touristen aus Wales, die eben diesen Casu martzu vor sich stehen haben. Den entzückten Gesichtsausdruck unseres britischen Freundes, nach dem Essen, müsst ihr euch schon selbst vorstellen.

Dann, um vier(!) Uhr am Nachmittag, wurde aus der Küche eine Schüssel mit Culurgiones gebracht: die besten, die ich je in meinem Leben gegessen habe, auch wenn ich nicht gerade verrückt bin nach dieser Spezialität.

Zia Bastiana, Patriarchin der Is Cubas-Wirtsfamilie, überwachte den Gastraum von der Warte ihrer 98 Jahre aus und freute sich über das rege Miteinander, das sich zwischen unterschiedlichen Gästen entwickelt hatte.

Wir haben eine absolut angemessene Rechnung bezahlt, uns wurde ein Digestiv angeboten, wir haben unsere gelungenen Fotos über das Wifi des Lokals auf Facebook gepostet, auf den Toiletten roch es angenehm und sie waren sauber, die Hausherren waren effizient und freundlich.

Is Cubas hat eine Facebook-Seite in Italienisch und Englisch.

Weshalb ist Is Cubas, ein Restaurant, dieses Mal die „Persönlichkeit des Tages“? (Die Website Sardegna Blogger hat ein Rubrik, die „Personaggio del giorno“, Persönlichkeit des Tages, heißt und in der normalerweise Menschen vorgestellt werden. hpb)

Weil ich mich dort davon überzeugt habe, dass hier in Sardinien der Tourismus so gut oder schlecht funktioniert wie an jedwedem anderen Ort – je nachdem, wer die Leistungen anbietet, welche Lust zu arbeiten er hat und wie leidenschaftlich er seine Rolle ausfüllt. Verallgemeinerung führt, wie immer, zu vorschnellen Schlüssen, wenn nicht sogar zu gänzlich falschen.

Wir können genauso tüchtig sein wie die anderen oder sogar noch tüchtiger, wenn wir es nur sein wollen.

Francesco Giorgioni

Chefredakteur der Website „sardegna blogger“


Das Menü (2014), das, wie hier zu sehen, auch auf Englisch vorliegt.

Is Cubas ist der Name der Gegend, in der die Trattoroia, zur der auch eine Bar und eine Tankstelle gehört, liegt. Diese Einkehr für Reisende und Wanderer besteht seit 2013. Sie bietet traditionelle Küche zu moderaten Preisen.

Frühstück, Mittagessen und Kaffee, Reservierungen möglich, Laufkundschaft willkommen, gut für Gruppen, kinderfreundlich, Außenplätze

Übersetzung: Hans-Peter Bröckerhoff

Fotos: Is Cubas (FB-Seite), Screenshot sardegna blogger

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