Cantina Pala in neuen Händen – Wie geht es weiter?

Die Cantina Pala im Weinstädtchen Serdiana hat seit einiger Zeit eine neue Eigentümerin. Mit seinen 60 Hektar Weinbergen, verschiedenen Rebsorten und Mikroklimata blickt das Weingut Pala auf eine gut sieben Jahrzehnte lange Erfolgsgeschichte zurück. Es gehört zu den großen Namen auf Sardinien und stellt vielfach prämierte Weine her, die weltweit vermarktet werden. Als vor eineinhalb Jahren die Nachricht vom Verkauf dieses renommierten Familienunternehmens bekannt wurde, gab es ein großes Aufmerken in der sardischen Weinwelt. Der Gambero Rosso titelte sogar „Revolution in Sardegna“.

Wie wird die neue Eigentümerin, die kanadisch-italienisch Unternehmerin Lia Tolaini, mit dem Weingut umgehen, wie wird sie es weiterführen? Das waren Fragen, die man sich in der Wein-Community der Insel stellte.

Die neue Eigentümerin der Cantina Pala Lia Tolaini, stellt das neue Konzept des Weinguts vor.

Bekannt war: Die neue Eigentümerin ist die Tochter eines nach Kanada ausgewanderten Italieners, der dort eine sehr großes Logistik-Unternehmen aufbaute. Sie selbst hat sich schon früh der Weinwelt gewidmet und ist zu einer Großimporteurin von italienischen Weinen nach Nordamerika geworden. Sie ist somit gewisser Weise „vom Fach“. Zudem hatte sie schon vor längerer Zeit ein großes Weingut in der Toskana gekauft.

Die neue Eigentümerin würde also, so die Annahme, ihren sardischen Neuerwerb wohl nicht nur als Finanzinvestition ansehen, sondern ihn als aktive Winzerin weiterführen. Aber wie genau? Und mit wem? Diese Fragen wurden jetzt in einer Presseveranstaltung im Weingut beantwortet.

Bewährtes weiterführen …

Zunächst betonte Lia Tolaini den zahlreich angereisten Journalisten gegenüber: „Ich liebe Serdiana und seine Hügel, seit ich vor über zwanzig Jahren begann, die hier entstandenen, außergewöhnlichen Weine nach Nordamerika zu importieren.“ Sie kenne das Weingut somit schon sehr lange und habe schon vor zehn Jahren einmal angefragt, ob sie es nicht kaufen könne. Damals sei die Antwort ein deutliches „Nein“ gewesen. Später sei dann Mario Pala, mit dem sich mittlerweile eine Freundschaft entwickelt hatte, von sich aus auf sie zugekommen und ihr Wusch habe sich erfüllen können.

Der neue ökologische Berater Lorenzo Landi spricht über die Entwicklung der Weine der Cantina Pala.

Dass sie als neue Winzerin die Tradition des Weinguts und dessen Verankerung in der Geschichte und Kultur Sardiniens wahren will, machte sie wortreich deutlich. Aber auch ganz praktisch solle das Weingut, das weiterhin den Namen Pala tragen wird, mit dem bewährten Mitarbeiter-Team weitergeführt werden. Hinzu kommt noch der ökologischer Berater Lorenzo Landi, der auch für das Tolaini-Weingut in der Toskana tätig ist. Und die bisherigen Weine, die ja zum Teil immer wieder ausgezeichnet und in den Weinführern empfohlen werden, sollen ebenfalls weiter in alter Qualität produziert werden. Kontinuität ist also angesagt.

… und Neues entwickeln

Aber es gibt auch Neuerungen. Zwei neue Weine der gehobenen Linie sind seit dem Eigentümerwechsel dazu gekommen. Ein Nuragus di Cagliari DOC, der den Namen PERLIA trägt, und ein Monica die Sardegna DOC mit Namen PERLORO. Damit sollen die beiden autochthonen Rebsorten Nuragus und Monica noch stärkere Bedeutung im Programm des Weingut bekommen. „Wir gehören“, sagte Tolaini dazu, „zu den Pionieren auf Sardinien, die an das Potenzial dieser uralten Rebsorten glauben, und ich bin überzeugt, dass wir ihnen ein neues Gewicht im Bereich der sardischen Spitzenweine ermöglichen können.“

Die beiden neuen Weine der Cantina Pala.

Bezüglich der Namensgebung der beiden neuen Weine erklärte Lia Tolaini mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „PERLIA (FÜR LIA) ist tatsächlich eine Hommage an mich, aber der Wein ist noch unter Regie von Pala entwickelt worden und von Mario Pala so benannt worden.“ Sie habe dann, sozusagen als Antwort darauf und als Dank an die alten Eigentümer und an das ganze Team, den Namen PERLORO (FÜR SIE) für den zweiten der neuen Spitzen-Weine gewählt.

Nuraghen auf’s Etikett

Eine weitere Neuerung ist die Überarbeitung der Etiketten. Neben der leichten Auffrischung und teils Angleichung der bestehenden Etiketten wurden die drei roten Spitzenweine gänzlich neu gestaltet. Sie haben jetzt Grundrisse von großen Nuraghen auf dem Etikett.

Cantina Pala in neuen Händen
Nuraghen-Grundrisse auf der Rotweine der Linie „Selezione“
Lia Tolaini erklärt den Nuraghen-Grundriss, der auf dem Cannonau SANTUANNI zu finden ist, anhand von digital erzeugten Rekonstruktionen der noch freizulegenden Nuraghe Santu Juanni auf dem Gelände des Weinguts.

Auf dem Etikett des Cannonau, der bisher noch keinen eigenen Namen hatte, steht jetzt SANTUANNI. Der neue Name leitet sich von der Nuraghe Santu Juanni (San Giovanni) ab, die auf dem Ländereien des Weinguts, zwischen den Weinbergen liegt – und zwar noch weitgehend unter Erde und Gestrüpp verborgen. Der Grundriss der Nurage auf dem Etikett stammt von einer ersten wissenschaftlichen Rekonstruktion diese noch freizulegenden Kulturdenkmals. Dieses gemeinsam mit der für den Standort zuständigen Gemeinde Dolinova und den regionalen Behörden tatsächlich freilegen zu können, ist ein Ziel der engagierten Winzerin, die von der Nuraghen-Kultur Sardiniens fasziniert ist.

Die Cantina Pala bleibt familiengeführt

„Qualität und Treue zu den Wurzeln seien die Schlüsselwörter für die Zukunft des Weinguts“, unterstrich Tolaini zum Abschluss. Fast anderthalb Jahre nach dem Eigentümerwechsel zeigte sie sich zufrieden mit der bisherigen Weiterentwicklung des Unternehmens. Dabei verwies sie auch darauf, dass das Weingut Pala weiterhin ein familiengeführtes bleibe und die nächste Generation, insbesondere in Person ihrer Tochter Alicia Banville, schon mit im Boot sei.

Lia Tolaini mit ihren Kindern (v.l.) Alexander, Alicia und Matthew

Info: Cantina Pala, Via Verdi 7, Serdiana (CA), Tel.: 070 740 284, ww.pala.it


Text: Hans-Peter Bröckerhoff, Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff / Cantina Pala

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