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Kulinarik und Kultur – das Restaurant La Rosa dei Venti und die Basilica Santa Maria della Neve

Für unseren Pranzo di Pascqua (Osteressen) sind wir in diesem Jahr wieder zum Restaurant La Rosa dei Venti nach Sennariolo gefahren. Dort, auf dem zwischen dem Dorf und dem Meer gelegenen, weit sichtbaren Colle Santa Vittoria wird ein Essen immer wieder zu einem kulinarisches Highlight. Und wenn man schon gut 50 Kilometer fährt, bietet es sich an, auch noch ein wenig Kultur zu tanken. Wir entschieden uns für einen erneuten Besuch der Basilika Santa Maria della Neve in Cuglieri, wo am Ostersonntag noch ein zusätzliches kulturelles Highlight stattfand, das S’Incontru.

Zuerst die Kultur …

Das S’Incontru (das Zusammentreffen) ist ein in Sardinien weit verbreiteter religiöse Osterritus. In Cuglieri hat er eine besondere Ausprägung. Denn dort treffen sich der auferstandene Jesus und seine Mutter Maria in der Kirche und nicht wie ansonsten üblich an einen speziellen Platz, an dem die Prozessionen mit den beiden einzelnen Statuen aufeinander treffen, um dann gemeinsam zur Pfarrkirche weiter zu ziehen. In Cuglieri werden beide Statuen gemeinsam hoch zur wunderschönen Basilica Santa Maria della Neve getragen, dort neben dem Altar aufgestellt und schließlich zu Beginn der Messe mit den Gesichtern zueinander gedreht.

S’Incontru in der Basilika
Blick in die reich geschmückte Basilika
Blick auf Cuglieri und die Basilica Santa Maria della Neve

Die Basilika ist im spätgotisch-neoklassischen Stil erbaut worden und liegt weit sichtbar, hoch oben über dem Städtchen, das selbst schon mehr als vierhundert Meter über dem Meeresspiegel liegt. Sie ist schon an sich, also auch ohne den besonderen kulinarischen „Anschlusstermin“ einen Besuch wert. Wir waren vor Jahren einmal dort und haben ein Führung mitgemacht. Durch die Erklärungen der Führerin haben wir nur noch besser verstanden, wie die kleine Gemeinde Cuglieri, die heute keine zweieinhalbtausend Einwohner mehr zählt, zu einer so imposanten Basilika gekommen ist. Eine Besichtigung lohnt aber auch ohne Führung sehr.

Über die Besichtigung der Kirche hinaus ist auch ein Besuch auf dem daneben angelegten Friedhof zu empfehlen. Er gehört sicher zu einem der schönsten Friedhöfen auf der Insel und zeigt viel von dem, wie die Sarden mit ihren Verstorbenen umgehen. Wenn man dann wieder auf den Kirchenvorplatz tritt und erneut das fantastiche Panorama vor Augen hat, das über die weit unten liegende Ebene bis zum Meer reicht, dann ist endgültig klar, dass sich der Besuch hier oben gelohnt hat.

Nach der Messe werden die Statuen wieder hinunter in eine andere Kirche getragen.

… und dann die Kulinarik

Der kulturelle Teil des Ausflugs wurde vom Spaziergang durch den alten Ortskern noch abgerundet. Mit dem Auto ging es dann zum eigentlichen Anlass für diesen Ausflug, zum Restaurant La Rosa dei Venti, das zehn Kilometer von Cuglieri entfernt mitten im Nirgendwo auf einem Hügel liegt. Der Hügel „Colle Santa Vittoria“, der übrigens von der Basilica aus sehr schön zu sehen ist, gehört zur Gemeinde Sennariolo. Er ist allerdings fünf Kilometer vom eigentlichen Dorf entfernt.

Es geht über ein kleine Straße durch Felder und Weiden bis ein Wegweiser die Auffahrt zum Hügel weist, wo neben einer kleinen Kapelle nur das Restaurant und einige Bungalows stehen. Denn La Rosa dei Venti hat auch einen kleinen Hotelbetrieb, ohne den sich das Restaurant, so gut es auch ist, wahrscheinlich übers Jahr hinweg nicht tragen würde.

Das Restaurant La Rosa dei Venti, das seit über 20 Jahren von Gian Luca Delrio (in der Küche) und seiner Frau Patrizia Sulas (im Service) geführt wird, bietet ein festes Menü. Das fällt zu den Festtagen (also auch jetzt zu Ostern) etwas umfangreicher aus als normal und kostete in diesem Jahr 60 Euro pro Person. Es gab acht Vorspeisen, zwei Primi piatti, zwei Secondi und ein Dessert. Dazu gab es Wasser, Rotwein und zum Schluss einen Caffè und einen Mirto. Da keine Speisekarte auslag, habe ich die Wirtin gebeten, den internen Menüplan vom Ostersonntag fotografieren zu können (s. Bild).

Der interne Menüplan für den Ostersonntag.
österlich gedeckter Tisch im Restaurant La Rosa dei Venti
So österlich geschmückt und schon mit fünf Vorspeisen gedeckt fanden wir unseren Tisch im Restaurant La Rosa dei Venti vor.

Das Menü im Restaurant La Rosa dei Venti

Von den Vorspeisen standen fünf schon auf dem österlich gedeckten Tisch, als wir ankamen. Es waren von allem Gemüse-Gerichte. Das ist auch nicht verwunderlich, da die Betreiber einen eigenen Gemüsegarten haben. Eingelegter wilder Spargel, süßsauer eingelegte Zwiebeln und die hauseigene „Giardiniera“, ein aus Norditalien bekannte eingelegte Gemüsemischung, sind Beispiele dafür. Aber auch die später folgenden Frittele di zucchine und die in Teig ausgebackenen Wildkräuter zeigen den Fokus auf Gemüse und Kräuter.

Die hausgemachten Ravioli mit Ricotta-Füllung und eine Art dünner „Lasagne“ mit Kräuterseitling-Béchamel-Füllung machten uns nach all den Vorspeisen eigentlich schon satt. Aber es kamen noch zwei Fleischgerichte, einige Stücke vom sehr gut im Ofen gebackenen Spanferkelchen (porceddu) und würziges Kalbsgeschnetzeltes. Beides sehr lecker! Und der Abschluss war nicht minder gut: ein Semifreddo mit Orange.

Unsere Erfahrung mit dem Essen hier im Restaurant La Rosa dei Venti (wir waren zu vierten Mal dort) deckt sich sich voll und ganz mit dem, was die Onlinezeitung „LinkOristano“ vor einigen Jahren über das Lokal schrieb: „Im ‚La Rosa dei Venti‘ entdeckt man die Aromen vergangener Zeiten wieder und genießt regionale Spezialitäten. Es gibt viel in Öl eingelegtes Gemüse, hausgemachte Wurstwaren, Käse aus der Region und Pasta, die direkt in der Küche des Restaurants hergestellt wird. Nicht zu vergessen sind die Braten, allen voran das Spanferkel. Auch die Desserts sind hervorragend.“

Es ist schön zu sehen, dass es ein so abgelegenes Land-Restaurant mit einer zugleich traditionellen und im Heute verwurzelten Küchen-Philosophie geschafft hat, sich durchzusetzen. Das Konzept und vor allem die gleichbleibend hohe Qualität der Gerichte haben dazu beigetragen, dass sich „La Rosa dei Venti“ nach und nach einen festen Platz in den Restaurantführern erarbeitet hat.

Die Wirtsleute zeigen ihren Gästen stolz, dass ihr Restaurant La Rosa dei Venti wieder die höchste Auszeichnung von Slow Food, die Chiocciola, verliehen bekommen haben.

Besonders stolz sind die Wirtsleute auf die Chiocciola (die Schnecke), die der Slow Food-Führer „Osterie d’Italia“ als höchste Auszeichnung vergibt, und zwar an Gastronomiebetriebe, die sich „besonders durch ihr Ambiente, ihre Küche und ihre Gastfreundschaft im Sinne von Slow Food auszeichnen“. Schon im Hof erwartet den Gast ein großer Aussteller, der die erneute Prämierung des Restaurants mit der Chiocciola feiert.

Wer also einen schönen Tagesausflug machen möchte und dabei Kulinarik und Kultur (und übrigens auch viel Natur) miteinander verbinden will, dem sei ein Besuch der Basilica Santa Maria della Neve und des Land-Restaurants La Rosa dei Venti wärmstens empfohlen.

Text: Hans-Peter Bröckerhoff

Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff / WikiPedia (Basilika von weitem)

Nachtrag 1:

In der Gegend gibt es noch so viele andere lohnenswerte Ziele, dass sich vielleicht sogar eine Übernachtung lohnt, wenn man von weiter her kommt. Da sind kulturelle Kleinode, wie zum Beispiel die Ausgrabungsstätte der römischen Siedlung „Cornus“ oder die Reste der mittelalterlichen Burg „Casteddu Etzu“. Und es gibt viele Natur-Highligths, wie zum Beispiel den (nur im Winter und Frühjahr aktiven Wasserfall „Istrampu de Capu Nieddu“, der seine Wasser die Felsenküste herunter in Meer ergießt, oder der Stechpalmen-Hain „Sa Roda Manna“.

Wir sind nach dem Essen weiter Richtung Meer gefahren, vorbei an einer einsamen Ruine einer Papierfabrik, bis zum Torre Foghe. Dieser Küstenturm thront hoch über dem Meer und der Mündung des Rio Mannu. Ein sehr schöner Ort! Mit festen Schuhen und gesunden Beinen kann man von dort nach unten ans Meer hinabsteigen.

Nachtrag 2:

Sollte La Rosa dei Venti keinen Platz mehr haben (unbedingt vorher anrufen!), gibt es in Cuglieri selbst gleich zwei Restaurants, die auch eine weitere Anfahrt lohnen. Es sind das ganz auf hochwertige traditionelle Inland-Küche ausgerichtete „Desogos“ und das sehr gute Fischküche bietende „Meridiana“.

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Hans-Peter Bröckerhoff
Der Herausgeber dieser Website ist der Journalist und Kommunikationsberater Hans-Peter Bröckerhoff. Er ist zudem Autor des Buches "Die Küche Sardiniens – Ein kulinarisches Erlebnis im Urlaub und zuhause".

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