Sonntag vor einer Woche fand die erste deutschsprachige Veranstaltung zur Bottarga auf dem Festival della Bottarga in Cabras statt. Eine gute Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen. Da es bei der Vorbereitung noch keine Routine gab und gar nicht klar war, wieviele deutschsprachigen Sardinienfreunde wir im Vorfeld erreichen würden, war bei allen an der Vorbereitung beteiligten Personen schon eine gewisse Unsicherheit zu spüren. Wird es klappen oder nicht?
Die Idee zu einer solchen Veranstaltung war mir schon vor zwei Jahren gekommen, als ich einige der „laboratori“ (Workshops), die damals im Rahmen des Festivals della Bottarga auf dem Gelände der alten Fischereistation Mar’e Pontis durchgeführt wurden, besuchte und journalistisch begleitete. Ein Jahr später hab ich dann den Bürgermeister von Cabras Andrea Abis und die Leiterin des Organisationsteams Barbara Argiolas, die ich beide schon von anderen Gelegenheiten kannte, darauf angesprochen. Sie fanden die Idee interessant und baten mich ein Konzept zu entwickeln.
Uns war allen klar, dass das ein Experiment sein würde. Nicht die Veranstaltung selbst sahen wir als Risiko, die würde schon klappen. Moderationen habe ich in meinem beruflichen Leben schon viele gemacht und gemeinsam mit den Experten und Gästen würden es schon eine interessante und gelungen Veranstaltung werden. Aber ob wir auch genügend (zwischen 20 und 40) deutschsprachige Sardinienfreunde, dafür gewinnen könnten, teilzunehmen, war fraglich. Erfahrungen dazu gab es schließlich nicht.
Vieles spricht für eine deutschsprachige Veranstaltung zur Bottarga auch 2026
Heute kann man sagen: Das Experiment, einen Workshop auf Deutsch anzubieten, ist gelungen. Die Veranstaltung war gut besucht (ca. 30 Leute) und viele Teilnehmer haben im Anschluss ihre Zufriedenheit ausgedrückt. Es gab auch die Bitte, eine solche Veranstaltung im nächsten Jahr wieder anzubieten. Da der Bürgermeister von Cabras Andrea Abis, das Veranstaltungsteam und auch die Kollegen von Slow Food, mit denen ich den Workshop durchgeführt habe, sehr zufrieden waren, denke ich, dass wir 2026 wohl wieder eine deutschsprachige Veranstaltung zur Bottarga vorbereiten werden. (Eine englischsprachige wird es dann vielleicht auch geben.)
Besonders interessant war sicherlich für viele Besucher des Workshops die Zubereitung der Pasta alla Bottarga, die einfach zu sein scheint, aber doch ihre Tücken hat. Diese Zubereitung zu demonstrieren, hatte Raimondo Mandis (im Bild oben links) von Slow Food übernommen, der zuvor auch über die Anerkennung der Bottarga als Presidio Slow Food berichtet hat.
Als Pasta hatten uns für Malloreddus entschieden und nicht für die für dieses Gericht eigentlich üblichen Spaghetti. Denn Spaghetti von Probiertellern auf einem Zuschauerstuhl sitzend zu essen, kann durchaus gefährlich sein. Wir wollten nicht, dass der Eine oder die Andere mit Ölflecken auf Hemd oder Hose den Veranstaltungsort verlassen musste. Aber die Zubereitung der Malloreddus alla Bottarga hat auch gut gezeigt, worauf man bei dem Gericht achten muss. Und geschmeckt hat es mit den Malloreddus ebenfalls.
Auch die Verkostungen der Vernaccia-Weine von der Cantina Contini zur Bottarga (Karmis zur Pasta alla Bottarga und der klassische Flor zur Verkostung der Bottarga pur) haben gut gefallen. Mauro Contini, Vizepräsident des Weinguts, hat diesen besonderen Wein sehr anschaulich vorgestellt und erklärt, das es wie geschaffen ist, den starken, eindringlichen Geschmack der Bottarga zu begleiten. Bei der Verkostung konnten sich die Teilnehmer dann selbst davon überzeugen, wie gut die beiden starken Geschmäcker miteinander harmonieren.
Nicht alles ist optimal gelaufen, aber insgesamt hat es doch gut geklappt
Der aus Cabras stammende Sternekoch Salvatore Camedda war eigentlich als weiterer Gast vorgesehen, war aber leider kurzfristig verhindert. Das war schade , aber letztlich nicht wirklich schlimm, denn die grundlegenden Informationen zur Bottarga, das Show cooking und die Verkostungen haben schon sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Ich hätte gar nicht mehr lange mit Salvatore Camedda über den Einsatz der Bottarga in der modernen, kreativen sardischen Küche reden können. Das kann dann vielleicht das nächste Mal geschehen.
Die Bilder und ein Video-Ausschnitt aus der Veranstaltung geben einen kleinen Eindruck vom Geschehen am 21. September. Beim Video kann man sehen, dass es gar nicht so einfach ist, gleichzeitig zu übersetzen und zu moderieren. Man kann sich schon mal verhaspeln und auch schon mal Teile des Gesagten „unterschlagen“. Diese Feststellung musste ich beim Anschauen des kleinen Videos selbstkritisch machen. Da muss ich wohl noch ein wenig dran arbeiten.
Aber insgesamt hat alles recht gut geklappt. Wenn bei der Vorbereitung beim nächsten Mal etwas mehr Routine herrscht und wir auch noch mehr die deutschsprachigen Touristen in den Hotels und B&Bs in der Gegend ansprechen, was dieses Mal zwar geplant war, aber in der Hektik der Vorbereitung dann doch nicht geschehen ist, dann sollte einer erfolgreichen Wiederholung der Veranstaltung nichts mehr im Weg stehen.
Text: Hans-Peter Bröckerhoff, Fotos und Video: G.Bröckerhoff
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