Am Sonntag nach Ferragosto macht ein Besuch am Strand nicht so viel Spaß. Dann ist es sogar bei uns an der Westküste einfach nur voll. Deshalb haben wir lieber einen Restaurantbesuch im Inland auf die Tagesordnung gesetzt. Die Wahl fiel auf das Restaurant Arieddas in Sanluri. Das wurde vom Weingut Su’entu erst vor zwei Jahren eröffnet, als erstes Restaurant in einem Weingut. Und es hat seitdem schon viel von sich hören (und lesen) gemacht. Auch Aufnahmen in Restaurantführer hat es schon gegeben. Die höchste der Auszeichnungen dürften die im Restaurantführer Gambero Rosso 2025 verliehenen „Tre Gamberi“ (Drei Krabben) für die besten Trattorien Italiens sein.
Die Küche des im Restaurant Arieddas in Sanluri ist, so beschreiben die Betreiber ihr Konzept, eng mit den Produkten und der Küchentradition der Marmilla verbunden. Der Name des zwischen Cagliari und Oristano liegenden Landstrichs leitet sich sich von der hügeligen Landschaft her, die entfernt auch an weibliche Busen erinnert. Traditionelle Gerichte dieser landwirtschaftlich geprägten Gegend, so der Anspruch des Restaurants, werden von Chefkoch Francesco Vitale und seinem Team auf hohem Niveau und mit viel Kreativität in die Gegenwart geholt.
Ich hatte das Arieddas schon kurz nach der Eröffnung einmal besucht und war damals (nicht nur) vom Essen sehr angetan. Es war allerdings an einem Werktag außerhalb der Touristensaison zum Mittagessen. Das Restaurant war fast leer. Das war erklärlich, denn das Restaurant liegt schon ein wenig ab den größeren Städten der Insel. Außerdem braucht jedes Restaurant Zeit, um sich einen Ruf zu erarbeiten, der Liebhaber guten Essens veranlasst, auch eine längere Autofahrt in Kauf nehmen.
Wegen dieser Anfangsphase und weil ich „nur“ das damals noch angebotene Lunch-Menü probiert hatte, wollte ich mit einem Beitrag über das Restaurant Arieddas in Sanluri noch warten, bis ich mir bei einem weiteren Besuch einen besseren Eindruck verschaffen konnte. Und das konnte ich jetzt sehr gut.
Neugierig seit dem ersten Besuch
Um es vorwegzusagen: Der neuerliche Besuch hat sich kulinarisch sehr gelohnt und war die gut 60 Kilometer weite Anreise wert. Wir waren zu dritt und zwei von uns wählten das Menü mit sieben Gängen („Un viaggio in Marmilla attraverso 7 assaggi“). Das wird ab zwei Personen serviert und ist mit 44 Euro ganz und gar nicht teuer. Und die empfohlene Weinbegleitung, die aus vier Weinen des Weinguts Su’entu besteht, wählten wir gleich auch dazu.
Eigentlich sind die Gerichte des Menüs eine Überraschung, die der Küchenchef zusammenstellt. Aber bei der Pasta und dem Hauptgericht konnten wir auf Nachfrage doch zwischen zwei Gerichten wählen. Dass darunter auch zwei Klassiker des Restaurants waren, traf sich gut. Wir wählten diese, die Lorighittas mit Hühnchensoße als (nach den fünf Überraschungsvorspeisen) ersten und die Variationen vom Schafsfleisch als zweiten Gang. Aber dazu später mehr. (Die gesamte Speisekarte des August 2025 ist unten einsehbar.)
Moderenes, schön desingtes Restaurant mit Weitblick
Zunächst lohnt es sich, ein paar Worte zur Lage des Restaurants zu verlieren. Ja, es liegt weit entfernt von den Zentren und sogar auch noch zwei Kilometer außerhalb des Städtchens Sanluri selbst. Aber zumindest ist die Superstrada SS131 nicht sehr weit entfernt, sodass man auch weitere Entfernungen verhältnismäßig schnell hinter sich bringen kann. Und für Touristen, die vom Norden nach Cagliari fahren oder umgekehrt vom Süden in den Norden der Insel, ist nur ein kurzer Abstecher zum Restaurant Arieddas in Sanluri. Das gleiche gilt für alle die die Nurage Su Nuraxi in Barumini besuchen wollen.
Das Restaurant ist Teil eines modernen Gebäudekomplexes auf einem Hügel inmitten von Weinbergen. Die Unternehmer-Familie Pilloni hat hier vor gut zehn Jahren das Weingut Su’entu errichtet und sich mit den dort produzierten Weinen auf der Insel und auch darüber hinaus einen Namen gemacht.
Das Restaurant Arieddas in Sanluri – ein logischer Schritt des Weinguts Su’entu
Hervorragende Weine zu produzieren ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, diese auch bekannt zu machen und Käufer für sie zu finden. Su’entu hat für die Vermarktung der Weine von Beginn an stark auch auf Veranstaltungen im Weingut gesetzt. (Über einige davon habe ich berichtet.) Oft hatten und haben diese etwas mit kulinarischen Themen zu tun. Das ging bis zu Show cookings mit mehreren Spitzenköchen und der anschließenden Verkostung der von diesen produzierten Köstlichkeiten.
Es lag deshalb nahe, auch ein eigenes Restaurant dort oben auf dem Marmilla-Hügel zu eröffnen. Ein wichtiges Element für ein erfolgreiches Restaurant, die interessante Lage, war ja durchaus schon vorhanden. Denn von dort oben bietet sich ein wunderbarer Rundum-Blick sowohl in Richtung der Berge des Iglesiente, als auch über die Hügellandschaft hinweg bis hin zum Hochplateau der Giara di Gesturi. Durch großflächige Fenster kann der Blick in die Weite im Restaurant genauso genossen werden wie von der großen Terrasse aus, auf der, wenn es nicht zu heiß ist, ebenfalls gegessen werden kann.
Nichts zu meckern und viel zu loben
Aber nun zurück zum Essen. Des begann schon mit einem Gruß aus der Küche, der aus einem Glas Sekt und eine kleinen Scheide eines hervorragenden Brotes mit Mortadella aus regionaler Produktion. Die fünf Vorspeisen waren allesamt überraschend und lecker. Ein Beispiel: Die „Melanzane e sapa di Bovale“ verbanden die weiche Konsistenz von gebratenen Auberginen-Stücken mit der Süße des durch langes Einkochen von Rotwein gewonnenen Sirups, der Sapa, verbunden mit dem frischen Geschmack des Basilikum-Pesto. Es gab nichts zu meckern und viel zu loben.
Die „Lorighittas e ragù di cortile“, einer der beiden oben erwähnten Klassiker des Restaurants, waren mit einer sehr sämigen Soße aus Hühnchenfleisch verbunden, so wie das berühmte Gericht aus dem kleinen Dörfchen Morgongiori am Nordrand der Marmilla es vorsieht. Darüber war als Überraschung Raspel vom hart gekochten Eigelb gestreut, das dem ganzen zusätzlich eine besondere Note gab.
Und der zweite Klassiker, „Pecora di Sanluri“, brachte Schafsfleisch in drei ganz unterschiedlichen Variationen auf den Teller. Schon allein der kleine Spieß mit über der Glut gerösteten Fleischstückchen war köstlich. Die Scheiben von dem innen noch rosaroten Filet und das fein geschnittene und lange geschmorte Geschnetzelte waren ebenfalls ausgesprochen lecker. Ich verstehe, warum das Gericht zum Renner auf der Karte des Restaurants geworden ist. Hier würden auch viele Feinschmecker, die ansonsten bei Schafsfleisch womöglich die Nase rümpfen, sehr zufrieden das Besteck auf den leer gegessenen Teller legen.
Nach sieben köstlichen Gerichten satt und zufrieden
Die Befürchtung, dass sieben Gänge zu viel sein könnten, bewahrheitete sich nicht. Wir waren gesättigt, aber, ohne dass sich ein Völlegefühl eingestellt hätte. Das lag auch daran, dass die Portionen gegenüber den à la carte gewählten Gerichten kleiner waren. Das konnten wir bei den gefüllten Zucchini im direkten Vergleich sehen, weil die dritte Person am Tisch, die beim Menü nicht mitgemacht hatte, diese Vorspeise auch gewählt und einen deutlich größere Portion erhalten hatte. Auch die Pasta und das Fleischgericht (überaus schmackhafte Teile eines geschmorten Kaninchens) von der Karte waren in der Dimension deutlich größer als die entsprechenden Gerichte aus dem Menü. Wer nicht das Menü wählt, wird deshalb auch mit zwei oder drei „normalen“ Gerichten gut satt.
Die Dessert-Angebote schließlich waren so verlockend, dass wir nicht widerstehen konnten. Und sie standen in Kreativität und Güte den vorher genossenen Gerichten in nichts nach. Sie rundeten gemeinsam mit dem abschließenden ausgezeichneten Espresso ein gelungenes kulinarisches Gesamterlebnis ab – einen pranzo di dominica, ein sonntägliches Mittagessen der Sonderklasse.
Text und Bilder: Hans-Peter Bröckerhoff
Die Speisekate vom August 2025
Die Adresse und Kontaktdaten
S.P. 48 Km 1,8
Su’entu Agricola
09025 Sanluri (SU)
info@arieddas.it
+39 (070) 7050418
Die Website des Restaurants
Arieddas – La Cucina della Marmilla
_____________________________
Bleiben Sie auf dem Laufenden! Unser monatlicher Newsletter liefert Neues und Interessantes aus der kulinarischen Welt einer außergewöhnlichen Insel frei Haus.
Wollen Sie erst einmal frühere Newsletter ansehen klicken Sie hier!
