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Sardische Gerichte aus dem Supermarkt – frisch zubereitet und reiche Auswahl

Bericht über ein außergewöhnliches Angebot und Interview mit dem Koch und Supermarktmanager Mirco Mele

Sardische Gerichte aus dem Supermarkt? Viele Sardinienreisende denken da bestimmt an die Theken oder Thekenabschnitte mit Salaten, einigen Vorspeisen, Bratkartoffeln, Fleischbällchen, Hühnchenflügel oder ganzen Brathähnchen, die es heute in den meisten größeren Supermärkten auf der Insel gibt. Aber darum geht es hier nicht. Denn eine sardische Supermarkt-Gruppe hat nicht nur ein wesentlich größeres Angebot an frisch zubereiteten Gerichten, sondern bietet auch überwiegend Gerichte der traditionellen sardischen Küche an.

Die neun EUROSPAR-Märkte der Gruppe „Ideal Market“ (siehe Info und Hinweis am Ende des Beitrags) sind auf dem Gebiet der Gastronomie bei Weitem führend. Zwar ziehen manche anderen Supermärkten auf der Insel mittlerweile nach und weiten ihr Angebot auf diesem Gebiet auch aus. Aber das vielfältige Angebot sardischer Küche zum Mitnehmen in diesen neuen Märkten ist weiterhin so einzigartig und richtungweisend, dass es einen Beitrag auf SARDINIEN AUF DEN TISCH wert ist.

Ich kenne die Gastronomie-Theke des EUROSPAR in Oristano schon seit vielen Jahren und habe oft gesehen, wie sich dort Schlangen bildeten, weil so viele Kunden sich etwas von den dort angebotenen Köstlichkeiten mit nach Hause nehmen wollten. Manchmal haben auch wir, wenn meine Frau und ich keine Lust oder Zeit zum Kochen hatten, uns von dort etwas zum Mittagessen mit genommen.

Die Idee, über dieses außergewöhnliche Angebot einen Beitrag zu schreiben, kam mir deshalb schon vor längerer Zeit. Denn diese Möglichkeit, authentische sardische Küche zu genießen, ohne selbst zu kochen oder ins Restaurant zu gehen, ist sicherlich für viele Sardinienurlauber, also die Leser dieser Website, interessant. Als ich dann auf einer Veranstaltung den Verantwortlichen für den Bereich Gastronomie bei „Ideal Market“ Mirco Mele kennenlernte, habe ich ihn um ein Interview gebeten. Hier ist es:

Sardische Gerichte aus dem Supermarkt – das Interview


Zur Person

Mirco Mele (45) ist verantwortlich für den Bereich „Gastronomia“ bei der Gruppe „Ideal-Market“ mit seinen neun unter der Dachmarke EUROSPAR betriebenen Supermärkten. Schon mit 14 Jahren hat er angefangen, in der Gastronomie zu arbeiten. Später besuchte er eine Hotelfachschule und qualifizierte sich über verschiedene Kurse und Lehrgänge weiter. Seine Erfahrungen als Koch sammelte er in mehreren Restaurants im Raum Oristano – unter anderem im Da Renzo in Siamaggiore, einem der besten Restaurants der Gegend. So hat er mit der traditionellen Küche der Region und mit der gehobenen Restaurant-Küche Erfahrungen gesammelt, die ihm heute als Supermarktmanager zugute kommen.


SARDINIEN AUF DEN TISCH: Wie seid ihr dazu gekommen, ein so großes und vielfältiges Angebot an frisch zubereiteten Gerichten, die man mit nach Hause nehmen kann, anzubieten?

Mirco Mele: Der Geschäftsführer unserer Supermarkt-Gruppe hatte die Idee, den Bereich der fertigen warmen und kalten Gerichte auszubauen. Er stellte mich 2004 dafür ein, diesen Bereich weiter zu entwickeln, weil ich zuvor als Koch in verschiedenen Restaurants gearbeitet hatte. Damals war unser Angebot ähnlich dem, wie es noch heute von manchen anderen Supermärkten auf Sardinien vorgehalten wird. Es gab gegrilltes Hähnchen, Röstkartoffeln, Lasagne und vielleicht einige Salate.

Aus der Gastronomie kommend habe ich dann nach und nach weitere Gerichte zubereitet und angeboten, etwa einen Polpo-Salat, gekochten Fisch nach Art der Merca aus Cabras oder die hiesige Variante der Burrida. Da die Kunden darauf gut ansprachen, haben wir diesen Weg weiterverfolgt. Wir haben mehr und mehr Gerichte frisch zubereitet und erlebt, dass vor der Theke mit diesen Gerichten die Kunden oft Schlange standen, insbesondere in der Mittagszeit. Denn es sprach sich herum, dass es bei uns etwas Besonderes gab. So konnten wir uns einen deutlichen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern, also den anderen Supermärkten im Umfeld unserer Standorte, erarbeiten.

Was sind das für Kunden, die zu euch kommen, um fertige Gerichte zu kaufen?

Anfangs waren es meist recht kaufkräftige Kunden, denn wir setzen auf hohe Qualität bei den Gerichten und der Produkte, die wir dafür verwenden. Das führt natürlich zu einem entsprechend nicht sehr niedrigen Preis. Oft waren es alleinstehende Rentnerinnen oder Rentner, aber auch einige jüngere Kunden, die in der Regel jedoch älter als vierzig Jahre waren. Mehr und mehr hat sich die Kundschaft dann verbreitert.

Allerdings spielen die unter dreißigjährigen Kunden auch heute noch so gut wie keine Rolle. Bei denen sind neben der Tatsache, dass die jungen Menschen oft weniger Geld zur Verfügung haben, auch ein anderes Bewusstsein gegenüber dem Essen und andere Vorlieben vorherrschend. Die nehmen eher eine Tiefkühlpizza mit nach Hause als ein hochwertiges Gericht von unserer Gastronomie-Theke.

Dass es hier in der Provinzhauptstadt Oristano eine aufgeschlossene und kaufkräftige Kundschaft gibt, kann ich mir vorstellen. Aber wie lief der Aufbau des Bereichs Gastronomie in den kleineren Orten?

Es gab anfangs schon Unterschiede bei unseren Standorten. Denn in den kleineren Orten gibt es noch viel mehr klassische Hausfrauen, die jeden Tag das Essen auf den Tisch bringen. Aber da wir eine traditionelle Küche anbieten und den Geschmack der Menschen hier kennen, haben wir uns auch an den kleineren Standorten allmählich eine Kundschaft für die frischen Gastronomie-Angebote erarbeitet. Mittlerweile kaufen manche Hausfrauen bei uns auch schon einmal ein Gericht, das sie ansonsten zu Hause selbst zubereiten. Schön ist es dann, wenn sie später berichten, wie es geschmeckt hat oder erzählen, dass sie es von der Mutter oder Tante genauso oder vielleicht auch mit der einen oder anderen Variation zuzubereiten gelernt haben.

Kommen auch Touristen, um die Gerichte zu kaufen, um sie dann im Ferienhaus oder im Wohnwagen oder vielleicht sogar im Hotelzimmer zu essen, um nicht ins Restaurant gehen zu müssen?

Ja, von Mai bis September kaufen auch viele Touristen unsere Gerichte. Die Urlauber sehen die hohe Qualität unseres Angebots und vergleichen dann die Preise mit denen im Restaurant. Das veranlasst Touristen nicht selten dazu, lieber bei uns ein Gericht zu kaufen als für das Gleiche im Restaurant sehr viel mehr zu bezahlen.

Wir haben durchaus auch viele nicht italienische Kunden, auch viele deutschsprachige.

Gilt das in erster Linie für die Touristen vom italienischen Festland, die es eher gewohnt sind, auf eine hohe Qualität des Essens zu achten? Oder kaufen auch ausländische Touristen an eurer Gastronomietheke ein?

Wir haben durchaus auch viele nicht italienische Kunden, auch viele deutschsprachige. Leider gibt es bei denen teilweise die Schwierigkeit, die Gerichte richtig zu erklären. Wir haben zwar eine Bedienung, die gut Englisch spricht, aber nicht alle deutschsprachigen Kunden beherrschen das Englische so ausreichend gut, dass wir das Besondere bei den verschiedenen Angeboten immer klarmachen können.

Ihr bietet vorrangig traditionelle Gerichte an. Warum?

Ich komme aus dieser gastronomischen Tradition hier im Oristanese und habe deshalb die hier üblichen Gerichte bevorzugt zubereitet. Dabei haben wir festgestellt, dass dieses Angebot sehr gut ankommt. Gerichte, mit denen viele Kunden aufgewachsen sind und die sie sich vielleicht auch zu Hause kochen würden, finden sie bei uns fertig zubereitet und in hoher Qualität. Zum Angebot gehören aber nicht nur sardische Gerichte. Auch aus anderen Regionen Italiens haben einige Gerichte ihren Platz in unserem Sortiment– so etwa die Lasagne oder die Parmigiana, die mittlerweile in ganz Italien zur Alltagsküche gehören, aber recht aufwändig herzustellen sind. Bei uns findet man sie fertig zubereitet, sodass man sie zu Hause nur noch noch einmal erhitzen muss.

Ich habe gesehen, dass immer wieder auch neue Gerichte ins Sortiment genommen werden. Wird das von der Kundschaft goutiert oder möchten die meisten Kunden lieber nur das bekannte Angebot?

Wer gutes Essen mag, ist meist offen für Neues. Manche Kunden benötigen auch ein wenig Zeit, um sich an Neues heranzutasten. Aber im Großen und Ganzen wird die Variation des Angebots sehr positiv aufgenommen. Viele Veränderungen im Sortiment ergeben sich schon jahreszeitlich bedingt, denn ein großer Teil der Zutaten steht nur saisonal zur Verfügung. So bieten wir im Winter natürlich andere Gerichte an als im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Gerichte. Und zu bestimmten Festen bereiten wir natürlich das zu, was dann traditionell gegessen wird, zu Ostern etwa Gerichte mit Lamm- und Zicklein – inklusive der auf Sardinien traditionell beliebten Innereien vom Lamm oder Zicklein in verschiedenen Zubereitungsformen.

Ist es nicht schwierig, immer die Frische eines solch großen Sortiments zu garantieren?

Nein, wir haben dafür Arbeitsabläufe entwickelt und Erfahrung gesammelt. Die warmen Gerichte sind deshalb so gut wie immer schon vor der definierten Verfallszeit ausverkauft. Und die kalten Gerichte, Salate etc., werden teilweise kontinuierlich neu zubereitet.

Eine letzte Frage: Versteht ihr euch auch ein wenig als Botschafter des kulinarischen Sardiniens, insbesondere gegenüber den Touristen?

Ja, das kann man sicher so sehen. Wir verstehen unsere Arbeit im Gastronomie-Bereich unserer Märkte auch als Ausdruck der Freude der Sarden am guten Essen und der sprichwörtlichen sardischen Gastfreundschaft. Den Touristen unsere sardischen Produkte bekannt zu machen und ihnen unsere traditionellen Gerichte anzubieten, ist so wie, ihnen die Tür zu unserem Zuhause zu öffnen und zu sagen „komm und fühl dich wohl“.

Text und Bilder: Hans-Peter Bröckerhoff

Info

Sardische Gerichte aus dem Supermarkt, wie oben beschrieben, gibt es hier:

Die Gruppe „Ideal Market“ betreibt neun EUROSPAR-Supermärkte auf Sardinien. Diese lieben bis auf einen im Westen der Insel. In diesen Märkten gibt jeweils auch einenen Bereich „Gastronomia“, wie er oben am Beispiel Oristano beschrieben wird. Die Märkte liegen in Oristano, Macomer, Ghilarza, Sorso, Abbasanta, Terralba, San Gavino, Santa Giusta und in Zinnigas, das zur Gemeinde Santa Giusta gehört.

Hinweis: Dieser Beitrag bezieht sich nur auf die oben genannten und verlinkten EUROSPAR-Supermärkte. Da EUROSPAR eine Dachmarke ist (ähnlich wie EDEKA oder REWE), gibt auf Sardinien auch in weitern Orten EUROSPAR-Supermärkte, die jedoch von anderen Unternehmen oder Unternehmer-Gruppen geführt werden.

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1 Kommentar

  1. Ich kann die Supermarkt Kette Nonna Isa empfehlen dort findet man überwiegend Sardische Produkte und vor allem ist es ein Sardisches und kein Internationales Unternehmen

    Deu seu sardu

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