Die Feste in den kleinen Dörfern im Landesinneren sind manchmal besonders interessant. In Sini wurde in diesem Jahr zum 31. Mal die „Sagra de Su Pani Saba“ gefeiert. Deshalb sind wir am letzten Samstag nach Sini gefahren, in das kleine nicht einmal 600 Einwohner zählende Dorf am Fuße des Giara di Gesturi.
Zugegeben, nicht nur die Sagra an sich, sondern insbesondere der Workshop (Laboratorio), den Slow Food gemeinsam mit dem Pro Loco, dem örtlichen Tourismusverein veranstaltete, interessierte mich sehr. Hier konnte man aktiv durch Mitmachen oder passiv durch Zuschauen lernen, wie es hergestellt wird, das leckere Gebäck, dem das Fest gewidmet ist. Aber dazu später mehr.
Ein entspanntes Fest mit authentischen Ständen und vielen Begegnungen
Die Sagra, die immer am nationalen Feiertag „Festa della Liberazione“ (Fest der Befreiung von (Nazi-)Faschismus) stattfindet, war dann tatsächlich ein sehr schönes. Es war vielleicht noch ein wenig authentischer als viele andere Sagre auf Sardinien. Es gab interessante Strände und gutes Essen (nicht nur die üblichen frittierten oder gegrillten Sachen). Und es gab auch ein Klima für Begegnungen und kleine Gespräche, ohne Hektik und Gedränge, eine sehr entspannte Stimmung.
Der Hauptdarsteller des Festes Su Pani Saba
Soweit schon einmal sehr gut. Aber dann gab es ja noch den Protagonisten des Festes, Su Pani Saba – diese mit Saba, einem aus Traubenmost eingekochten Sirup, hergestellte besondere Süssigkeit. Sini ist bekannt für seine Version des Pani Saba. Dieses Gebäck, eine Art Früchtebrot, das durch den Sirup dunkel ist, wird auch in anderen Dörfern der Insel hergestellt und heißt dort oft Pan’e Saba oder Pani e Saba. Die Zutaten variieren je nachdem, was in den Dörfern angebaut wurde. Teils wird auch aus Kaktusfeigen-Saft hergestellter Sirup verwendet und nicht der ausschließlich aus weißem Traubensaft eingekochte Sirup, der in Sini zentraler Bestandteil des Rezeptes ist.
Die Tradition rund um dieses Gebäck ist in Sini besonders lebendig. Hier wird es noch in vielen Familien gebacken, traditionell insbesondere zum Fest des heiligen Georg (23. April), aber auch zu anderen Festen des Jahres.
Wir haben denn auch ein schönes großes Su Pani Saba sozusagen an der Haustür gekauft. In einer der Hofeinfahrten bot die Tochter des Hauses das Gebäck an, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter zuvor zu Hause gebacken hatte. Da wussten wir noch nicht, dass wir noch eines (wenn auch ein noch nicht gebacken) mit nach Hause nehmen würden. Aber auch dazu später mehr beim Thema Workshop.
Zunächst kam die Mittagspause. Wir fanden einen Stand, der Fregula mit einem Tomaten-Sugo mit Wildfleisch anbot (übrigens für nur fünf Euro pro reichliche Portion). Dazu gab es vom Stand der Craft Beer Brauerei BAM aus Mogoro ein schönes handwerklich gebrautes Bier und als Nachtisch ein ebenfalls handwerklich hergestelltes Eis. Dass wir dazu auch noch einen schönen Platz unter einem alten Olivenbaum fanden und mit den beiden jungen Frauen am Tisch ein interessantes Gespräch führen konnten, rundete die gelungene Mittagspause ab.
Der Slow Food Workshop – mitmachen und noch ein Su Pani Saba mitnehmen
Danach ging es zum Workshop. Hier war schon alles vorbereitet. Und da noch ein Platz frei war, nahm meine Frau aktiv teil. Ich war ohnehin insbesondere gekommen, um zu fotografieren und zu berichten.
Giuseppe Izza (Presidente von Slow Food Nuoro) und Bäckermeister Antonio Masia aus Alghero erklärten, was zu tun war, und leiteten die Teilnehmer an. So entstanden unter den Augen zahlreicher interessierter Zuschauer sieben glänzende Halbkugeln aus Mehl, Levito Madre (Sauerteig), Sapa, Gewürzen, Rosinen und Mandeln. Diese von ihnen selbst gekneteten und wohlgeformten Teigklumpen konnten die Teilnehmer zusammen mit noch einem Plastik-Tässchen mit Sapa und einem mit Mandeln mit nach Hause nehmen.
Nach mindestens 24 Stunden Ruhezeit für das Wirken des Sauerteigs konnten das Pani Saba dann zu Hause gebacken werden. Vor dem Backen sollte es nochmals mit Sapa eingepinselt und mit den Mandeln gespickt und nach dem Backen noch mit dem restlichen Sapa übergossen werden.
Ich bekam vom Bäckermeister auch noch ein Tässchen Lievito Madre mit. Der wird jetzt zu Hause regelmäßig „gefüttert“ (aufgefrischt) und gelegentlich hoffentlich für die Herstellung hausgebackenen Brotes oder selbst gemachter Pizza eingesetzt.
Und zum Schluss auch noch ein schöner Umzug der angereisten Trachtengruppen
Eigentlich wollten wir nach dem Workshop und einigen Einkäufen an den Ständen schon nach Hause fahren. Solch ein Fest macht müde. Aber auf dem Weg zum Auto sahen wir, wie sich die Trachtengruppen, die aus mehreren Orten der Insel für den angekündigten Umzug angereist waren, aufstellten. Vorneweg wurde ein prächtig geschmücktes Ochsengespann gestellt. Da mussten wir einfach noch abwarten, bis sich der Umzug in Bewegung setzte und konnten, nachdem er an uns vorbeigezogen war, noch zufriedener den Heimweg antreten.

Text und Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff
PS: So übrigens sah das Pani Saba, das wir mit nach Hause genommen haben, nach dem Backen aus. Und lecker war es auch.

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