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Marrulleri Food Experience – traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) beim großen Karnevalsfinale in Marrubiu

Beim Karnevalsfinale in Marrubiu gab es vor dem für eine so kleines Dorf unerwartet großen Umzug mit Motivwagen ein Show Cooking, bei dem traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) vor den Augen des Publikums zubereitet wurden. Dazu wurden passende Weine verkostet und Experten gaben ihre Kommentare ab.

Es erscheint sehr ungewöhnlich, dass am Sonntag nach Karneval noch so große Karnevals-Aktivtäten stattfinden, wie der große Umzug mit riesigen Motivwagen und vielen Tanzgruppen in Marrubiu, dem kleinen Dorf am Fuße des Monte Arci. Aber Marrubiu ist nur einer von vielen sardischen Orten, in denen Karneval nicht am Aschermittwoch vorbei ist.

Ich war in diesem Jahr das erste Mal zum großen Final-Tag der 46. „Su Marrulleri“, wie der mehrtägige Karneval in Marrubiu heißt. Allerdings ging es mir nicht so sehr um den Umzug, sondern um die davor stattfindende Veranstaltung „Marrulleri Food Experience“. Hier wurden zwei Sorten des in Sardinien allgegenwärtigen Karnevalsgebäck Zeppole (auch Zippole) in einem Show Cooking hergestellt. Dabei wirkten auch Bekannte von mir mit. Der Weinexperte und Gambero-Rosso-Redakteur Giuseppe Carrus und die TV-Journalistin (Videolina) Giulia Salis moderierten und der Journalist und Autor Giovanni Fancello, der unter anderem auch ein Buch über sardisches Süßgebäck geschrieben hat, gab seine Expertenkommentare ab.

Ankündigung der Veranstaltung, auf der traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) vorgestellt wurden.
Ankündigung der Veranstaltung, auf der traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) vorgestellt wurden.

Traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) beim großen Show Cooking

Auf der Bühne wurden sowohl die traditionellen örtlichen Zeppole zubereitet (hier in Marrubiu große Teig-Kringel und nicht die anderswo üblichen langen Teig-Schlangen), sondern auch ein von Konditoren kreierter „Zippolozzo“. Letzterer war ein Art Krapfen aus besonders gewürztem Teig, der mit einem ebenfalls mit verschiedenen Gewürzen aromatisiertem Eis gefüllt wurde. Die Jury aus dem Publikum war von beidem begeistert.

Die dazu passenden Weine hatten die in Marrubiu ansässige Kellereien “Quarto Moro di Sardegna“ und „Terre di Ossidiana“ beigesteuert. Von der Cantina Quarto Morro, die vom sardischen Star-Önologen Piero Cella und seiner Frau Luciana geführt wird, die ich seit Langem zu meinen sardischen Freunden zählen darf, gab es zum einen den Schaumwein „Z“ und zum anderen einen ganz neuen Süßwein aus der uralten sardischen Traube Girò. Die Cantina Terre di Ossidiana steuerte einen Vermentino bei. Moderator Giuseppe Carrus übernahm hier auch die Rolle des Weinkritikers und beschrieb diese Weine auf der Bühne mit der ihm eigene Expertise und Inbrunst.

Wir probierten die wirklich sehr leckeren traditionellen Zeppole, die vom örtlichen Pro Loco angeboten wurden. Als ich später auch die „Zippolozzo“ getaufte Konditornenkreation mit Eisfüllung kosten wollte, war die Schlange vor dem Stand so lang, dass ich verzichtete. Aber den neuen Girò von Quarto Moro di Sardegna konnte ich probieren. Giuseppe Carrus hatte nicht übertrieben. Dieser Süßwein passt nicht nur gut zu den Zeppole, er ist auch sehr harmonisch süß, vollmundig und hallt lange am Gaumen nach. Ein gelungene neuer Wein der Cantina.

Eine Vertreterin des Pro Loco di Marrubiu zeigt die erste fertige Zippula tradizionale.
Die beiden Moderatoren probieren den „Zippolozzo“ und lassen Giovanni Faccello erklären wo der Name Zeppola herkommt und dass die Wortschöpfung Zippolozzo linguistisch durchaus richtig ist.

Viel Street food der übliche Art, aber auch besondere, sardische Angebote

Da man nur von etwas Süßgebäck nicht satt wird, klapperten wir dann die zahlreichen Essenstände ab, die rund um die Bühne der „Marrulleri Food Experience“ angesiedelt waren. Leider boten viele nur das Übliche, Pommes, Würstel, Panini …. Aber es gab auch wirklich sardische Kost. So bot ein Stand Hamburger mit Schafsfleisch oder mit Fleisch von den Bue Rosse, der sardischen Rinderrasse, die rund um das Bergmassiv Montiferru gezüchtet wird und zu den Presidi Slowfood gehört. Ein schönes Fritto misto die pesce gab es auch. Wir mussten also nicht darben. Und ein Kraftbier einer kleinen sardischen Brauerei konnten wir dazu auch genießen.

Zu dem großen Umzug strömten mittlerweile immer mehr Menschen ins Dorf. Mehr als zwanzigtausend Besucher waren es schließlich, wie wir zu Hause erfuhren, als wir uns ein Stück der Direktübertragung des Zuges im Regionalsender Videolina anschauten. Denn wir hatten uns müde und gesättigt auf den Heimweg gemacht, bevor der Zug begann. Einen kleinen Eindruck hatten wir noch mitnehmen können, weil wir einige der Wagen schon auf ihrer Fahrt zum Aufstellplatz sehen konnten.

Die Motivwagen fahren zum Aufstellungsplatz um sich für den großen Umzug bereit zu machen.

Und dann noch eine Überraschung durch sardisch-ungarische Mini-Zeppole

Auf dem Weg zum Auto kamen wir dann noch an einem kleinen Stand vorbei, der weder traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) anbot, sondern Zeppole der ganz besonderen Art. Es waren kleine Ringe, die nach dem Rezept der sardischen Schwiegermutter der aus Ungarn stammenden Standbetreiberin hergestellt wurden – und zwar mithilfe einer kleinen aus Ungarn mitgebrachten halbautomatischen Maschine. Ich kaufte eine Schale mit diesen Mini-Zeppole und wir konnten nur bestätigen, was uns die Standbetreiberin erzählt hatte. Diese in der Form ungewöhnlichen, aber nach traditionellem Rezept hergestellten Zeppole waren außerordentlich lecker.

Ein paar sind schon verputzt, als ich daran dachte, doch ein Foto von diesen Mini-Zeppole aus sardische-ungarischer Koproduktion zu machen.

Das war ein schöner Sonntagsausflug mit kulinarischen Überraschungen, Begegnungen mit alten Bekannten und mit der Erkenntnis, dass es auch nach vierzig Jahren Inselerfahrung noch immer Neues zu entdecken gibt. Denn dass ganze dreißig Kilometer von unserem sardischen Zuhause entfernt eine so große und imposante Karnevalsveranstaltung (in diesem Jahr schon zum 46. Mal) stattfindet, war mir bisher irgendwie durchgegangen.

Test und Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff

Übrigens

Diese Reportage über die Präsentation traditionelle und kreative Zeppole (Zippole) zum Karneval in Marrubiu, ist nicht der Einzige Artikel über kulinarische Aspekte des sardischen Karnevals. Schon lange gibt es auf dieser Website die große Bildreportage über die Kulinarik während der Sartiglia in Oristano. Und seit drei Jahren auch ein großer Bericht über das große Saubohnenessen am Karnevalsdienstag in Mamoiada.

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Hans-Peter Bröckerhoff
Der Herausgeber dieser Website ist der Journalist und Kommunikationsberater Hans-Peter Bröckerhoff. Er ist zudem Autor des Buches "Die Küche Sardiniens – Ein kulinarisches Erlebnis im Urlaub und zuhause".

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