Trattoria Zia Luciana – ehrliche sardische Hausfrauenküche in Siddi

Wie hatten gerade eine beeindruckenden Führung durch den Giardino Sonoro in San Sperate hinter uns, wo wir die klingenden Steine des Bildhauers Pinuccio Sciola besichtigen haben. Für den Nachmittag stand die Kunsthandwerkmesse (Fiera del Artiginato) in Mogoro auf dem Programm. Aber erst einmal wollten wir gut zu Mittag essen. Ich rief in der Trattoria Zia Luciana in Siddi an, um einen Tisch zu reservieren. Denn Siddi liegt quasi auf dem Weg. Außerdem hatte ich von dieser Trattoria schon viel gutes gehört. Dort wollte ich schon immer einmal essen.

Ich hatte direkt die Wirtin am Telefon, die auf meine Frage, ob es noch Platz für vier Personen gebe, meinte: „Signor Giampiero, Sie müssen aber wissen, dass wir keine Speisekarte haben, sondern nur ein Menü anbieten.“ „Das ist kein Problem, im Gegenteil“, entgegnet ich. Eine halbe Stunde und viele Kurven später betraten wir den kleinen, einfach eingerichteten Gastraum der Trattoria und wurden vom Wirt herzlich empfangen. 

Die Trattoria liegt am Rande des Dorfes, der Weg dahin ist aber gut ausgeschildert.

Viele kulinarisch interessierte Sardinienfreunde denken, wenn sie Siddi hören, sicherlich immer noch an Roberto Petza, den für lange Zeit höchstdekorierten und bekanntesten Koch Sardiniens. Er hatte sein Restaurant S’Apposentu in diesen kleine Ort verlegt und Siddi damit zu einem Mekka für Feinschmecker gemacht. Schon damals hatte man mir erzählt, dass es in Siddi (wo seit Jahren auch das alternative Genussfestival „appetitosamente“ stattfindet) noch ein anderes, ganz auf die traditionelle sardische Küche ausgerichtetes Restaurant gebe und dass auch dieses einen Besuch in dem abgelegenen Marmilla-Dorf kulinarisch lohnend mache. 

Die beiden Restaurants in Siddi, Trattoria Zia Luciana mit ihrer einfachen, traditionell sardischen Küche und das mittlerweile geschlossene Sterne-Restaurant S‘Apposentu mit seiner hochkreativen Küche, konnten gegensätzlicher nicht sein. Aber gerade deshalb waren sie keine Konkurrenten, sondern ergänzten sie sich gut. Starkoch Roberto Petza selbst und auch einige seiner Stammgäste kamen sogar, wie wir später vom Wirt Gianni erfuhren, ab und an in die Trattoria, um dort authentische sardischer Hausmannskost zu genießen.

Viele Zutaten stammen aus eigener Produktion

Bei aller Unterschiedlichkeit hatten die beiden kulinarischen Angebote in Siddi allerdings eine gemeinsame Grundphilosophie: die Konzentration auf die heimischen Produkte. Es ist immer noch das Credo der Trattoria Zia Luciana, nur Zutaten aus der Gegend, meist sogar aus eigner Produktion einzusetzen. „Natürlich!“ kamen die gegrillten Gemüse, die uns als Vorspeise auf den Tisch gestellt wurden, aus dem eigenen Garten und auch der dazu gereichte Aufschnitt war aus eigener Produktion. Die mit Ricotta und Mangold gefüllten Ravioli waren von der Wirtin und Köchin Luciana, deren Namen das Lokal trägt, selbst hergestellt. Und der dafür verwendete Hartweizengries kam aus der Marmilla. Stolz erklärte uns die Wirtin, dass sie die alte Weizensorte „Grano Senatore Capelli“ verwendet, wenn sie ihr hausgemachte Pasta herstellt.  

Diese Mandeln (für die Dolci) und Tomaten (als eingekochter Sugo) kommen in die Vorratskammer der Trattoria Zia Luciana.
Diese Mandeln (für die Dolci) und Tomaten (als eingekochter Sugo) kommen in die Vorratskammer der Trattoria Zia Luciana.

Die beiden Hauptgerichte, die uns das Wirtsehepaar servierten, waren ebenfalls – wie konnte es auch anders sein – aus lokaler Produktion. Das Kalb, das das Fleisch für den Braten geliefert hat, stamme von einem Bauern aus dem Dorf, erklärte uns Gianni. Und das Huhn, das in Stücke geschnitten, paniert, mit Salz und Rosmarin gewürzt im Ofen gegart worden war, habe „gestern noch draußen auf der Wiese nach Futter gescharrt“. Auf unsere scherzhafte Frage, ob das Huhn denn auch einen Namen gehabt habe, sagt er bewusst laut: „Sicher, es hieß Luciana.“ Worauf heftiger Protest aus der Küche zu hören war und wir uns ein Lachen nicht verkneifen konnten. 

Die Gäste kommen von nah und fern

Dass die sardischen Plätzchen, die Dolci sardi, die uns zum Nachtisch gereicht wurden, ebenfalls selbst gebacken waren, überraschte natürlich nicht mehr. Sie waren sehr lecker, insbesondere die Amaretti hatten es uns angetan. Als die Wirtin an unseren Tisch kam, erzählten wir, dass wir nicht zufällig zu ihr gekommen seien, sondern weil ihre Trattoria auch inselweit durchaus bekannt sei und einen guten Ruf genieße. Luciana reagierte zunächst etwas verlegen, meinte dann aber selbstbewusst, dass an der Bekanntheit doch wohl etwas dran sein müsse, weil immer wieder Gäste von weit her zur ihr kämen. Darunter seien auch schon einmal Gäste von denen man einen Besuch in einer einfachen Dorf-Trattoria gar nicht erwarten würde. Vor kurzem sei zum Beispiel ein russischer Gast da gewesen, der mit seiner großen Motorjacht in Cagliari Station gemacht habe. „Jetzt spricht man sogar in Russland über uns“, fügt sie hinzu und lacht dazu laut auf. 

Luciana Serpi, Wirtin und Köchin der Trattoria Zia Luciana erklärt ihre Gericht.
Luciana Serpi, Wirtin und Köchin der Trattoria Zia Luciana erklärt ihre Gericht.

Luciana, erfuhren wir im weiteren Gespräch, ist Autodidaktin in der Küche. Gianni dagegen hatte schon ein langes Arbeitsleben in der Gastronomie hinter sich, als die beiden vor dreizehn Jahren die kleine Trattoria eröffnet haben. Die beiden Wirtsleute, die stolz darauf verwiesen, dass sie schon seit 50 Jahren ein Paar sind, produzieren nicht nur vieles von dem, was auf den Tisch kommt, selbst, sie betreiben die Trattoria auch alleine, ohne weiteres Personal. Deshalb könnten sie keine große Speiseauswahl, sondern nur das eine Menü anbieten, erklärt Luciana nochmals das Fehlen einer Speisekarte. Das hieße allerdings nicht, dass Gäste sich nicht auch bestimmte Gerichte wünschen könnten, zum Beispiel eine pasta col sugo di cinghiale (Nudeln mit Wildschweinsoße) im Herbst oder im Frühjahr cordula con piselli (gepflochtener Darm vom Lamm mit Erbsen). Nur müssten sie dafür einige Tage vor ihrem geplanten Besuch anrufen, damit alles gut vorbereitet werden könne. 

Die Trattoria Zia Luciana bietet gute sardische Hausfrauenküche

Heiter, satt und zufrieden verließen wir die Trattoria, um im nur 15 km entfernten Mogoro zu sehen, was die diesjährige Ausstellung sardischen Kunsthandwerks neues zu bieten hatte. Schon während der wiederum kurvigen Fahrt dorthin entschied ich, von diesem Restaurantbesuch nicht nur, wie geplant, mit einem Eintrag in der neuen FB-Gruppe „Essen gehen auf Sardinien“ zu berichten, sondern auch diese kleine Reportage zu schreiben. Denn die beiden sympathischen Wirtsleute haben es verdient, dass über sie ausführlicher berichtet wird. Und für Freunde guter und bodenständiger sardischer Hausfrauenküche ist es sicherlich interessant, mehr über die sehr empfehlenswerte Trattoria Zia Luciana zu erfahren. 

Das Menü vom 19. August 2021 in Bildern

Text und Fotos: Hans-Peter Bröckerhoff

Info: 

  • Art der Küche: traditionelle Fleisch- und Gemüsegerichte (auch Angebote für Vegetarier)
  • Adresse: Trattoria Pizzeria Da Zia Luciana, Via San Daniele 12, 09020 Siddi (SU) 
  • Tel.: 377 4019706
  • Geöffnet normalerweise mittags und abends, aber vorher anrufen, um sicher zu gehen und einen Tisch zu bestellen
  • Preis des oben beschriebenen Menüs (inkl. Wasser, Wein, Kaffee und ggf. Digestif) 30 Euro pro Person (Stand August 2021)
  • Keine Karten, nur Barzahlung
  • FB-Seite: https://www.facebook.com/Trattoria-Pizzeria-Da-Zia-Luciana-1744362362483732/
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